24. Februar 2020 - Losar

Losargrüße von I.E. Mindrolling Jetsün Khandro Rinpoche

Ihr Lieben,

Zu Beginn des Mondjahres der Metallratte wünschen euch Jetsün-la und ich gemeinsam mit allen in Mindrolling ein frohes Losarfest!
Wir senden diesen Wunsch mit Gebeten und Hoffnungen, dass sich jeder von euch an ein wunderbares und gesundes Jahr 2020 erfreuen möge. Aber neben allem anderen, was man sich wünschen mag, möge euch dieses Jahr einen immensen Fortschritt bringen bei der Erfüllung eurer Bestrebungen, den Dharma zu vervollkommnen. Mögen die Buddhas und Bodhisattvas ununterbrochen alle mit ihrem Segen und ihrem Schutz überschütten.

Als Praktizierende mögen wir zwar noch viele Pläne und Sehnsüchte haben, doch sollten wir uns ständig daran erinnern, dass letztlich nichts eine größere Bedeutung hat als der Dharma und nur dieser eine wahre Quelle der Zuflucht ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir, während wir weiterhin Pläne und Ziele haben, nicht versäumen, all diese darauf auszurichten, dass sie den Dharma stützen und ein Tendrel zur Vertiefung unseres Verständnisses und zur Praxis der kostbaren Belehrungen erzeugen. Lasst uns in diesem neuen Jahr erneut den Entschluss fassen, ein wenig weiter zu gehen, ein paar weitere Schritte auf unserem Weg zur Erleuchtung zu unternehmen. Es ist wichtig, dass wir uns jedes Jahr so viel wie möglich bemühen, immer ein wenig weiter zu gehen, damit unser Wachstum nicht stagniert. Es ist unerlässlich, dass wir unsere kindhafte Begeisterung und Freude auf dem Weg der Praxis nie verlieren. Auf dem Pfad zum vollständigen Erwachen, mögen unser Fleiß, unsere Freude und unser Humor auf dem Pfad der Praxis unsere Schritte leicht und stetig werden lassen.

Während wir in ein weiteres Jahr hineingehen, lasst uns in unseren Bestrebungen für die Welt, in der wir heute leben, zusammenkommen. Möge das Licht der Belehrungen in alle Richtungen ausstrahlen und als Leuchtfeuer der Vernunft und als Zuflucht dienen. Mögen Hindernisse von Krieg und Krankheit beseitigt werden und mögen sich alle Wesen mit Güte und Weisheit verbinden. Mögen Wahrheit und Gerechtigkeit nicht nur hochgesinnte Ideen sein, sondern tatsächliche Ideale, die von den Mächtigen geschätzt und umgesetzt werden. Mögen Freiheit und Wohlbefinden allen Wesen zugänglich und Glück und Harmonie im Überfluss vorhanden sein. Mögen die Umwelt und die Wesen ein Gleichgewicht finden und friedlich zusammenleben. Mögen Tugend und Güte in allen Richtungen herausragen!

Zusammen mit Minling Sangyum Kushog, Dungse Rinpoche, Jetsün Rinpoche und die ganze Mindrolling Sangha, die hier in Mindrolling versammelt ist, schicken Jetsün-la und ich euch Gebete und die allerbesten Wünsche.

JKR

1. Januar 2019

Neujahrsgrüße von I.E. Mindrolling Jetsün Khandro Rinpoche

Viele Grüße an Euch alle zum Anlass eines weiteren Neujahrtages!

Jetsun-la und ich gemeinsam mit Dungse Rinpoche, Jetsun Rinpoche, Minling Sangyum Kushog, Britton-la und der monastischen und Laien-Sangha von Mindrolling wünschen Euch allen ein sehr glückliches und gesundes Neues Jahr 2019.

Die Zeit läuft immer weiter, und hier und heute wird nun ein weiteres Jahr unseres Lebens eingeleitet.

Wenn wir auf das endende Jahr zurückschauen und uns auf die Zukunft, das anbrechende Jahr, freuen, können wir nicht anders, als die Intensität von Vergänglichkeit zu spüren. Wandel oder Vergänglichkeit ist ein sehr grundlegender Gedanke, dessen immer bewusst zu sein wir als Dharma-Praktizierende versuchen. Vergänglichkeit wirklich näher zu betrachten, bringt die sehr flüchtige Eigenschaft aller Phänomene zum Vorschein.

Kürzlich sah ich ein 15 Sekunden langes Video, in dem es um den Tod einer einzigen Zelle ging, und es war erstaunlich, die Auflösung von etwas Lebendigem zu beobachten. Es ist faszinierend und zeichnet ein sehr anschauliches Bild von der vergänglichen Natur aller Dinge, sich klarzumachen, dass wir alle aus Billionen von Zellen bestehen, von denen jede ihren eigenen Lebenszyklus durchläuft.

Der Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit aller Erscheinungen sind unvermeidlich, doch das Verständnis von Vergänglichkeit erlaubt uns, entspannt und ungezwungen zu bleiben, wenn wir Leid und Herausforderungen ausgesetzt sind, und ermutigt uns hoffentlich, einiges von dem loszulassen, an dem wir anscheinend ein wenig zu sehr festhalten. Vergänglichkeit lehrt uns, dass „auch dieses vergehen wird“, ermöglicht Erneuerung von vielem und gewährt uns allen einen frischen Blick auf die Dinge und neue Chancen. Vergänglichkeit kann auch dabei helfen, eine Haltung von Wertschätzung für die guten Dinge zu entwickeln, ohne so stark an ihnen festzuhalten, so wie etwa die Japaner die Kirschblüten wertschätzen: Sie sehen in deren Schönheit die sehr ergreifende und kurzlebige Eigenschaft von Schönheit. Ein wirkliches Verständnis von Vergänglichkeit kann helfen, schließlich allem, was das Leben für uns bereithält, mit mehr Gleichmut zu begegnen.

Geht ein weiteres Jahr vorbei, ist es an der Zeit, sich zu sammeln und unsere Verpflichtung zum Pfad des Hörens und der Reflexion neu aufzustellen. Wenn wir auf unser Jahr zurückblicken und hinsichtlich der Praxis ein nicht gerade brillantes Jahr sehen, ist das ein guter Zeitpunkt, den Reset-Knopf zu drücken. Doch sollte dies mit Freude und Enthusiasmus geschehen. Tatsächlich kann es schwierig sein, Enthusiasmus aufzubringen, wenn sich Jahr an Jahr reiht. Und doch ist es wesentlich, es in unserer Praxis zu versuchen, weil sich sonst langsam eine Art von Trübheit und Freudlosigkeit einschleichen und dann auch die Praxis zu einem reinen Gang durch Abläufe machen kann. Wenn wir hingegen an das unfassbare Wunder denken, das der Buddhadharma ist, und erkennen, dass ihn getroffen zu haben wie das Auffinden eines sehr kostbaren Juwels in einem Haufen Unrat ist, kann dieses kindliche Staunen unsere Praxis unterstützen und die Brillanz in unserem täglichen Studium und Üben zur Entfaltung bringen.

Das Jahr hindurch sind viele von uns mit zahlreichen Versuchen beschäftigt - oft
unbewusst und teilweise raffiniert, die Dinge konstant und unverändert zu lassen. Aber das Jahr wechselt, und wir alle werden behutsam daran erinnert, dass Wandel unvermeidlich ist.

Vergänglichkeit kann man sich ins Gedächtnis rufen als wahrhaft einen „Gedanken, der den Geist transformiert“. Sie lässt uns nicht nur Geburt, Alter, Krankheit und Tod überall erkennen, sondern auch die lebendige Fluidität von allem im Universum – ständige Bewegung, ständiges Suchen, ständiges Hoffen, ständiges Wachstum, ständiger Verfall – und führt uns damit die sehr grundlegenden Lehren von Shakyamuni Buddha vor Augen. Genau dann, wenn wir diese unaufhörliche Bewegung erkennen, sowohl feine als auch grobe, realisieren wir auch, dass wahre Zuflucht nur in der Stille eines Geistes liegt, der in sich selbst ruht, und in der Freude, die sich von innen heraus entfaltet.
Möge jeder von uns diese unwandelbare und unbezwingbare Freude finden!

Und nun, da ein altes Jahr einem neuen weicht, erinnern wir uns an unsere Lieben und die vielen Freunde, die gegangen sind. Wir denken an viele andere in unserer Sangha, Brüder und Schwestern, die im vergangenen Jahr gesundheitlichen oder anderen

Herausforderungen ausgesetzt waren und diesen Widrigkeiten in wundervoller Weise tapfer entgegentreten, indem sie die Sichtweise des Dharma und die Hingabe zu den drei Juwelen und den drei Wurzeln im Herzen bewahren.

Ich möchte Euch alle ermutigen, in diesem neuen Jahr all unseren Sangha-Freunden und allen fühlenden Wesen, die sich in schwierigen Situationen befinden und in einer Zeit leben, in der die Welt sich scheinbar verändert hat und unvorhersehbar geworden ist, Eure Gebete zu widmen.

Da sich alles, vom Winzigsten bis hin zur Welt in ihrer Gesamtheit, verändert und in ständigem Fluss ist, können wir daraus schließen, dass das einzig wirklich Konstante der Wandel selbst ist.

Wie wir den Umgang mit dem unvermeidlichen Wandel gestalten, ist der Echtheits-Test für uns als Praktizierende. Während wir den Kalender wechseln, müssen wir auch einen Wechsel zum Guten in uns selbst einleiten.

Wir alle müssen unser Bekenntnis zu unserem Praxisweg erneuern – auf dass wir uns jeden Tag in diesem neuen Jahr ein wenig mehr anstrengen, ein bisschen mehr Zeit mit ein bisschen weniger Selbst-Versenkung für unsere Praxis aufbringen; dass wir wahre Freude darüber empfinden, dem kostbaren Buddhadharma begegnet zu sein; und dass diese Freude uns mit mehr Mut und Hingabe antreiben wird, wahre Praktizierende der Lehren des Gautama Buddha zu verkörpern.

Also lege ich nun, da wir in ein neues Jahr starten, jedem nahe, über das Geschenk dieses kostbaren Lebens mit seinem außergewöhnlichen Potential und über den tiefgründigen Dharma, der uns dies erkennen lässt, nachzusinnen.

Mögen wir alle uns das angeborene grundlegende Gute bewusst machen und mutig dessen Potential zu einer mächtigen Deklaration von Güte und Geduld ausbauen.

Es heißt:
“Andere zu kennen, ist Intelligenz, dich selbst zu kennen, ist echte Weisheit.
Andere zu zähmen, ist Stärke, dich selbst zu zähmen, ist wirkliche Kraft.“

Möge jeder von Euch Mut finden, Weisheit, Unterstützung, Segen und Liebe, und Mögen alle Hindernisse in Eurem Leben ausgeräumt werden.
Möge dieses Neue Jahr in unserem Geist ein vertieftes Verständnis des tiefgründigen Buddhadharma hervor bringen und vermehrte Vernunft in der äußeren Welt.

Mit all meiner Liebe,
JKR